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Kolumne: Klar, jetzt spielen wir plötzlich alle Golf!

Ich möchte ja äußerst ungern meckernd in eine Kolumne einsteigen, bei der es um gute Mode, coole Beauty und einen herrlichen Lifestyle gehen soll – die schönen Dinge des Lebens eben. Aber mal ganz ehrlich, wenn ich diesen Sommer meine männlichen und weiblichen Freunde auf Instagram urplötzlich im schnieken Outfit Golf spielen sehe, ich schwöre es, schmeiß ich mein iPhone an die Wand! Und damit mein ich nicht Joris, den ich aus der Schulzeit kenne und der, noch bevor er laufen konnte, mit Papa Gerald im Golfcart über den Hennstedter Rasen des Gut Apeldörs peste. Der gehört auf Instagram nämlich sowieso geshadowbanned. Aber um Joris mit seinem hochstehenden lila Polokragen, den er morgens heimlich mit Haarspray einsprüht, in Schutz zu nehmen: Der Typ bleibt sich wenigstens treu. Ganz anders als die Hobby-Hochstapler, die sich selbst ganz keck finden, weil sie einem Label wie Aimé Leon Dore auf Insta folgen.


Fotos: Aimé Leon Dore


Alles begann vor etwa zehn Jahren mit einem Sport: Fußball. Damals, als die Weltmeisterschaften noch so wundervoll emotional waren (und Deutschland noch spielte als gäbe es kein Morgen mehr). Die Welt lag sich in diesen Wochen immer in den Armen, wenn man nicht so genau hinschaute, denn der Fußball, der verbindet ja bekanntlich. Alle trugen Trikots, selbst nach den Meisterschaften. Zu Jeans, zu Chinos und damals auch zu Hotpants. Nun aber nicht mehr die des eigenen Landes, nein, wo denkt ihr hin – außerhalb der Meisterschaften waren vor allem bei Mädels, die eine Flanke für ein Steak und einen Lupfer für ein Beauty Tool halten, doch nur Länder wie Schweden oder Dänemark fashionmäßig angesagt…

Nach Kobe Bryants Tod (rest in peace, legend!) war Basketball in aller Munde. Und das vollkommen zurecht <3 Der bittere Beigeschmack: wenn Trauer vermarktet wird. Basketball wurde plötzlich zum neuen It-Sport. Nicht, dass man ihn spielte, macht Euch nicht lächerlich, man trug doch bloß die Styles, um so auszusehen als würde man ihn spielen… Turnschuhe wie der Nike Kobe und vor allem der Air Jordan erreichten einen neuen Zenit, der Hype um Basketball-Jerseys mit billigem Bryant-Aufdruck, der nach einmal waschen abblätterte, erreichte neue Dimensionen. Hier sprang Teddy Santis mit seinem Label Aimé Leon Dore nicht auf einen fahrenden Zug auf, er wurde zum Lockführer dieses Trends: New Balance-Kooperationen, Basketball-Shorts, Court-Prints, Frottee-Stirnbänder, Seitenstechen…


Fotos: Sporty&Rich, Aimé Leon Dore, Goldbergh (v.l.)


Danach war Tennis an der Reihe. Emily Obergs Label Sporty & Rich ging von heute auf morgen so dermaßen durch die Decke, dass man einen neuen Begriff für ihren Umsatz kreieren müsste. Sagen wir so: Sie hat jetzt ein Bungalow in Bel Air, eine Wohnung in Paris, fährt einen Range Rover und trägt eine Patek am Handgelenk. Style, Satz, Sieg.

Für so etwa eine Millisekunde versuchte auch Segeln einen Hype auszulösen. Old Money Vibes par excellence. Boat Shoes feierten ein Comeback, die Outfits wurden so weiß, dass es in den Augen weh tat. Stiefpapas altes Boot am Lago di Como wurde aufwendig restauriert, aber nie genutzt, weil der Trend dann ja auch schon wieder vorbei war. Aber für ein Instapic im Brunello Cucinelli Kaschmir-Cardigan reichte es aus.


Fotos: Oliver Peoples x Brunello Cucinelli


Hiking war kürzlich auch ein großes Thema, gewandert wurde aber höchstens zum nächsten Ganni-Store, um sich die coolen Trekking Boots zu holen. Und wer die letzten paar Jahre seine Winterferien nicht in Courchevel oder St. Moritz im Suvretta House verbrachte, und das in Allover-Looks von Goldbergh oder Perfect Moment – ja, den frag ich: Hast Du dann überhaupt gelebt? Es gab noch ein paar weitere Sportarten, die versuchten cool zu werden, aber absolut nicht der Rede wert sind, weil sie mitunter so hässlich sind wie der Vorhof der Hölle.



Nun aber, liebe Freunde, ist 2024 und ein neuer Sport steht in den Startlöchern des Trend-Staffellaufs: Golf. Und clevere Labels rüsten sich bereits für rückgratlose Sportenthusiasten oder zumindest die, die unbedingt so aussehen wollen: das japanische Kultlabel Fragment Design entwirft eine lässig-coole Golftasche, Jimmy Choo gleich eine ganze Kollektion, Mercedes Benz kooperiert mit der Modemarke Eastside Golf, New Balance bringt eine Kollektion mit Malbon Golf heraus und launcht eine Golf-Version des beliebten 550 Sneakers, Nike pusht den Air Jordan 9 Golf wie verrückt, Puma kooperiert mit Quiet Golf und natürlich, seid nicht albern, hat Aimé Leon Dore gerade eine Golfkollektion gedroppt. Selbst Drake und LeBron James investieren ihre Kröten statt in Gold nun in Golf – genauer gesagt, in PGA Tour, die US-amerikanische Golf-Turnierserie. Puh, soll ich noch weiter aufzählen?


Und während ich hier schreibe, stolpere ich im Internet immer wieder über super cute Golf-Röckchen und Poloshirts in frechen Farben und frage mich, ob mir wohl so eine Schiebermütze stehen würde… Dann ohrfeige ich mich selbst kurz. Wisst ihr, was ein guter neuer Modesport wäre? Klarkommen.



Text: Anastasia Marks

Fotos, Video: Aimé Leon Dore, Sporty&Rich, Goldbergh, Oliver Peoples x Brunello Cucinelli

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