Ivy League zwischen Lake Como und Wüstenstaub
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Es gibt Designer, die jede Saison versuchen, das Rad neu zu erfinden. Und dann gibt es Ralph Lauren. Er nimmt ein altes Fahrrad aus der Garage, poliert den Chrom, tauscht den Sattel gegen italienisches Leder aus, näht ein Stück japanische Handwerkskunst daran und fährt damit einfach davon. So wirkt zumindest seine neue Spring 2027 Kollektion.
Die Präsentation von Purple Label und Polo Ralph Lauren in Mailand fühlte sich weniger wie eine Modenschau an als wie das Gepäck eines Mannes, der seit Jahrzehnten ohne Kompass unterwegs ist und sich weigert, Souvenirs zu kaufen. Stattdessen sammelt er Geschichten. Eine von ihnen beginnt an einem windigen College-Campus der Ostküste, führt über staubige Wüstenlandschaften, macht Halt am Comer See zwischen mahagonifarbenen Rennbooten und endet irgendwo zwischen einem japanischen Atelier und einer Dinnerparty mit Dresscode.
Purple Label eröffnet die Saison mit jener Art von Luxus, die nicht laut werden muss, um teuer auszusehen. Indigo, Sandtöne und cremefarbene Nuancen treffen auf makellose Anzüge aus Seidenmischungen, Utility-Jacken und Hemden mit Stehkragen. Es ist die Garderobe eines Mannes, der zwar theoretisch eine Yacht besitzen könnte, aber lieber behauptet, er habe sie nur zufällig geerbt. Besonders nice ist auch das italienische Kapitel der Kollektion: Art-Déco-Muster, gestrickte Vintage-Polo-Pullover aus Leinen und Baumwolle, butterweiche Lederjacken und dekonstruierte Krawatten wirken wie Relikte einer glamouröseren Zeit, in der Geschwindigkeit noch elegant war und niemand beim Abendessen Sneaker trug.
Zum Finale servierte Polo Ralph Lauren eine Liebeserklärung an amerikanische Preppy-Codes – allerdings nicht in geschniegelt-sauberer Internatsmanier. Hier wurden Cricket-Blazer bestickt, Collegejacken zerlegt und wieder zusammengenäht, traditionelle Madras-Stoffe aufgemischt und dreiteilige Anzüge mit fast edwardianischer Theatralik kombiniert. Rüschen, Patchwork und sichtbare Handarbeit verpassten den Looks etwas angenehm Unperfektes.
Aber am coolsten ist aber wahrscheinlich, dass Ralph Lauren mit seinen 86 Jahren immer noch keine Lust auf Nostalgie hat. Er interessiert sich nicht für die Vergangenheit als Museum, sondern als Werkzeugkasten. Ein Ort, an dem man sich bedienen darf, um etwas Neues daraus zu bauen. Und genau deshalb funktioniert Spring 2027 so gut. Die Kollektion versucht nicht, jung zu sein. Sie versucht, neugierig zu bleiben. Und manchmal ist das die modernste Haltung von allen.
Fotos: PR







































































