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The Art of Travel – nur mit sehr viel mehr PS

  • vor 3 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

Es gibt Luxuskooperationen, die vor allem eines produzieren: noch ein Logo. Und es gibt Louis Vuitton x Singer. Zwei Häuser, die eine gewisse Obsession für Handwerk, Material und Details teilen – nur dass das eine normalerweise Koffer baut und das andere klassische Porsche 911 so neu interpretiert, als wäre die Zeit irgendwann zwischen Steve McQueen und heute einfach kurz stehen geblieben.

Das Ergebnis sind zwei Porsche 911 Reimagined by Singer, die ziemlich überzeugend zeigen, was passieren kann, wenn Fashion und Automotive nicht bloß miteinander flirten, sondern tatsächlich zusammenarbeiten. Der erste, ein Classic Coupé, kommt in Saffran und Kobaltblau, der zweite als weißes Classic Turbo Cabriolet nach einer Idee von Nicolas Ghesquière. Beide sind technisch echte Singer – und ästhetisch ziemlich eindeutig Louis Vuitton.

Dabei begann die ganze Geschichte bemerkenswert unspektakulär: Louis Vuitton sollte eigentlich nur eine mechanische Uhr für das Armaturenbrett eines Singer entwickeln. Doch wer einmal anfängt, über die perfekte Typografie eines Drehzahlmessers nachzudenken, hört offenbar nicht mehr auf. Also wurden Instrumente, Materialien und Interieur weitergedacht, bis aus einer Uhr irgendwann ein komplettes automobiles Universum geworden war.

Beim saffranfarbenen Classic trifft ein luftgekühlter Vierliter-Sechszylinder-Boxer mit Handschaltung auf eine Carbon-Karosserie, naturfarbenes Leder, gelbe Nähte und Details, die Louis Vuittons historische Reisekoffer zitieren. Selbst die Farbkombination ist kein zufälliger Retro-Charme: Saffran gehört seit mehr als 150 Jahren zur Maison, Saffran und Kobaltblau tauchten bereits bei Vuitton-Koffern für Citroën in den 1920ern auf. Auf dem eigens entwickelten Dachträger finden wahlweise Koffer, Ski oder Surfboard Platz. Ein Auto also für Menschen, deren Roadtrip offenbar grundsätzlich in einer Kampagne stattfindet.

Der Classic Turbo von Nicolas Ghesquière nimmt eine andere Abzweigung. Sein Cabriolet verbindet die Linien eines 911 mit der Welt klassischer Motorboote: weißer Carbon-Body, warmes Leder, Goldakzente, amerikanisches Walnussholz und ein teak-inspiriertes Holzdeck am Heck. Klingt nach gefährlich viel Riviera-Romantik, sieht aber erstaunlich souverän aus. Und weil unter all dem schönen Holz ein 3,8-Liter-Twin-Turbo-Boxermotor steckt, bleibt die Sache erfreulich weit entfernt vom reinen Designobjekt. Natürlich gehören auch maßgeschneiderte Louis-Vuitton-Trunks und Reiseaccessoires zum Projekt. Das könnte man für einen ziemlich elaborierten Marketing-Gag halten – wäre da nicht die Geschichte: Louis Vuitton fertigte bereits Ende des 19. Jahrhunderts Gepäck für Automobile und beschäftigte sich mit dem Auto, als Autofahren selbst noch Avantgarde war. Insofern wirkt die Zusammenarbeit mit Singer weniger wie ein überraschender Genrewechsel als wie die sehr zeitgemäße Fortsetzung einer alten Idee.



Und vielleicht ist genau das der interessante Punkt an diesen beiden Autos. Sie versuchen nicht, vernünftig zu sein. Sie lösen kein Problem, schließen keine Marktlücke und dürften auch kaum jemandes Mobilitätswende vorantreiben. Stattdessen feiern sie etwas, das im Luxus inzwischen fast luxuriöser geworden ist als jedes Logo: den Aufwand um des Aufwands willen.

Braucht man Monogram-Blüten in den Belüftungsöffnungen eines Porsche-Sitzes? Selbstverständlich nicht. Aber wenn wir nur Dinge herstellen würden, die wir wirklich brauchen, wäre die Welt verdammt langweilig.


Fotos: Louis Vuitton x Singer

©2021 CÉRIOUS GOOD CLUB.

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